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Reisebericht von Angelika Weirauch - Dresden

Rundreise - Teilstück Süden
Bandarawela - Kataragama - Tissmaharama - Yala(Nationalpark) - Hambantota

Mit dem allmorgendlichen Seufzer "Schließlich sind wir ja nicht zu unserem Vergnügen hier!" erwachten wir diesmal erst 6.30 Uhr - außer denen, deren Zimmer zur Moschee hinaus lag und die gleich bei Sonnenaufgang vom Muezzin wachgesungen wurden. Die Sonne vergoldete die schon beim nächtlichen Spaziergang wahrgenommene Schäbigkeit der Städte und die Pracht der umliegenden hohen Berge ließ uns die Morgenkälte und die Kürze der Nacht vergessen. Schon bald erreichten wir die "Ravanella Falls", den zweithöchsten Wasserfall Sri Lankas, der sich über viele hohen Stufen zu Tale stürzt. Wie gut, daß alle Taschen im Bus bleiben konnten bei der Besichtigung, denn hier waren die Bettler ziemlich raffiniert und aggressiv. "Dies hier ist dein Begrüßungsgeschenk. Bitte nimm es, ich will nichts dafür haben." Schade eigentlich, daß sie dadurch verhinderten, daß wir uns die Pracht der angebotenen Edelsteine, die in der Morgensonne verführerisch glänzten, genauer ansahen. "Ich habe ein Hobby. Ich sammle kleine deutsche Münzen". Wir flohen den schönen Platz bald, kauften unterwegs als Tagesverpflegung wieder Mohren, Radieschen und Kohlrabi, was hier zwischen den großartigen, auf kleinsten Hochgebirgsflecken angelegten Gemüseterassen sehr appetitlich war.

Beim nächsten Halt hatten wir - erschreckend schnell - das gestern und vorgestern mühsam auf Serpentinen erklommene Gebirge hinter uns gelassen und befanden uns im grünen Mischwald (Laubbäume und Palmen) an einer Töpferei. Mutter und zwei hübsche Töchter zeigten uns, wie sie Töpfe herstellen. Der Ofen: ein Loch im Boden, der Ton: die Erde um die Hütte, die Drehscheibe: eine alte LKW-Felge, das Leben: scheinbar im Paradies, ohne jeglichen Besitz aber im prächtigsten Baumgarten der Welt.

Den völligen Gegensatz dazu bot der nächste Haft im Tempelort Kataragama, Pilgrim Centre. Dort brannte die Sonne so heiß, daß es für solch ungeübte Fakire wir uns gar nicht so einfach war, unbeschuht durch den Sand des heiligen Bezirkes zu spazieren. Im "Menik Ganga", dem heiligen Edelsteinfluß, wuschen die Pilger sich und ihre Wäsche oder streichelten die großen, grauen, zutraulichen (oder auch nur gefräßigen) Fische. Dann stand da ein Tempelelefant, unter dem die Familien kleine oder ungeborene Kinder hindurchtrugen zum Segnen. Der Weg ist gesäumt von Kapellen und Devotialienläden, sanfte Räucherstäbchenschwaden zogen über alle Plätze, festlich gekleidete Familien trugen flache Schalen mit Obst, Blumen und roten Papiergirlanden in Richtung Tempel. Diese Fruchtschalen kamen mir bekannt vor: genau solche trugen manche der im 3. Jahrhundert gemalten Wolkenmädchen! Ein kleines Mädchen löste sich aus ihrer Familie, kam, mich mutig (auf englisch) nach meinem Namen fragend, auf mich zu. Ihren mußte ich lange üben, ehe ich ihn sagen und mir merken konnte, denn sie hieß Schateragangili. Nach dem Familiennamen habe ich daraufhin lieber nicht erst gefragt

Hinter der Mauer, die den inneren Tempefbezirk einschließt und mit der Kraft von tausend Elefanten bewacht und mit der Pracht der ebensovielen blauen Blechpfauen umgibt, begann ein üppiger, farbenfroher Ritus. Für mich, die ich an die Kärglichkeit evangelischer Abläufe gewöhnt bin, war es erstaunlich, daß die Glocke hier gleichzeitig für eine hinduistische und eine buddhistische Zeremonie läutete. Die einen strömten zum Bö-Baum, an dem schon viele Fähnchen von Gebeten über einer kleinen weißen Dagoba hingen, die meisten aber in die verschiedenen Eingänge des Hindutempels: nicht nur in den des ortsansässigen, zwölfarmigen Gottes Kataragama, sondern auch in die Tore jener anderen Räume, die den elefantenköpfigen Gott Ganesha und seine Mitgötter und -göttinnen beherbergen. Auf dem Hof wurden Kokosnüsse, auf denen ein Talglicht brannte, über ein hohes Gitter hin geopfert, was den Platz mit dem Geruch brennender Kokosschalen und ranzigen Saftes erfüllte. Schlimmer roch es - für europäische Nasen - nur im Allerheiligsten selbst, wo Räucherstäbchen stets bündelweise verbrannt wurden und wo den Opferschalen ein gerolltes, grünes Blatt beigefügt wurde, gefüllt mit einigen Geldscheinen und Münzen, die der Priester vor dem Segen herausnahm. Auffällig war auch hier die häufig beobachtete Toleranz. Zweivon drei Fenstern eines Tempelraumes waren mit farbenfrohen Götterdarstellungen und davorstehenden Altären geschmückt (siehe Foto), doch das mittlere Fenster gab den Blick frei auf die kleine, weiße, buddhistische Dagoba. Innerhalb der Tempelmauer gab es übrigens eine Moschee und auch mohammedanisch gekleidete Frauen (schmale Hosen und lange Kleider darüber) und Männer (weiße Gewänder und Spitzenkäppis). Doch dort war heute keine Veranstaltung, genauso wie an der benachbarten großen Dagobä, zu der wir dem Pilgerweg hätten folgen können, was den meisten aber zu heiß und weit erschien.

Also fuhren wir im erfrischend kühlen Bus (hatten wir nicht heute morgen noch im Hochgebirge gefröstelt?) nach Tissamaharama, wo wir uns im Swimmingpool eines Hotels, in der Kühle der Halle und bei frischen Getränken erholen konnten bis 15 Uhr die Jeeps für unsere Safari vorgefahren waren. Einige zogen es aus gesundheitlichen oder anderen Gründen vor, dort zu bleiben und sie hatten sicher ein ruhigeres Leben als die, die sich einem der schrottreifen Autos anvertrauten und mit Krach und Tempo durch die Hitze jagten!

Diese bezahlten den Anblick von Elefanten, "hölzernen" Krokodilen, Pfaus, Marabus, Kolibris, schlammbadenden Wasserbüffeln, Mungos, Affen, grünunsichtbaren Vögeln und anderen Tieren mit vielen, dauerhaften, blauen Flecken. Bemerkenswert waren für Unempfindliche auch die in Spiritus eingelegten ganzen Schlangen, teils noch mit Beute im Rachen, die Krokodilsgerippe, Schildkrötenpanzer und die Lebensläufe der von Raubtieren gefressenen Forscher im Museum des Parkes.

Was für eine Wohltat war dagegen der klimatisierte Bus, der uns nach Hambantota brachte ins "Hotel Pfauenhahn" (Peacock), wo wir Staub und Exotik bei deutscher live-Musik ("Muß i denn, muß i denn, zum Städtele hinaus ?") und gutem Essen vergessen konnten.

Angelika Weirauch - Dresden

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